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9Jan/123

Immobilienverband Deutschland IVD – Muss ein Immobilienmakler Mitglied sein?

Der IVD, die vollständige Bezeichnung  lautet "Immobilienverband Deutschland IVD Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V.", ist ein Zusammenschluss (April 2004) des Bundesverbandes "Ring Deutscher Makler (RDM)" und des "Verbands Deutscher Makler (VDM)".

Pargraph - RichterhammerFür seine rund 6.000 Mitglieder (Quelle: ivd.net), die im wesentlichen aus Bewertungs-Sachverständigen, Finanzierungsdienstleistern, Projektentwicklern, Immobilienmaklern, Bauträgern und weiteren ähnlichen Berufsgruppen bestehen, versteht sich der Verband als Interessenvertreter.

Damit ist der IVD definitiv der Verbandsriese schlechthin in der Immobilienbranche und hat selbstverständlich seine Daseinsberechtigung und seine Wichtigkeit. Insgesamt existieren sieben Regionalverbände, wobei der Verband seinen Hauptsitz in Berlin inne hat. Mitglieder haben diverse Vorteile von der Mitgliedschaft, es gibt Rabatte, Förderprogramme, Seminare, Schulungen, Networking-Möglichkeiten und so weiter. Außerdem hat der Verband laut eigenem Leitbild unter anderem das Bestreben, die Sicherung "wirtschaftlich erfolgreicher Berufsausübung seiner Mitglieder" zu fördern.
Doch kommen wir zurück zur wichtigen Frage, ob ein Immobilienmakler oder ein anderer Unternehmer, der in der Immobilienbranche unterwegs ist, Mitglied im IVD sein sollte oder sogar sein muss!? Denn das ist es, was der Verband (und nicht wenige Mitglieder) gerne öffentlich proklamieren.

Der IVD vertritt dazu eine klare Position, die auch verbandspolitisch gesehen effektiv und plakativ funktioniert, in der ein Verbraucherschutz-Credo erhoben wird, das in etwa von sich selbst behauptet, es schützt die Verbraucher vor schwarzen Schafen der Immobilienbranche, insbesondere der Immobilienmakler-Branche. Daher ist das erstrebenswerte zentrale Ziel des Verbandes, "das IVD-Logo als Markenzeichen qualifizierter Immobilien-Makler, Verwalter und Sachverständiger in der Öffentlichkeit durchzusetzen." (Quelle: IVD, Unser Leitbild)

Und was verlangt der Verein als Vorraussetzung zur Mitgliedschaft? Eine so genannte Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, eine Anerkennung der IVD-Satzung, Fachkundenachweis und eine nicht unerhebliche Jahresgebühr plus eine Aufnahmegebühr. Die Vorbereitungsunterlagen für den Fachkundenachweis lassen sich natürlich ebenfalls über den IVD erwerben und kosten nicht zu knapp.

Also fassen wir bis hierin mal zusammen: Der IVD ist ein Verband, dessen Mitgliedschaft Vorteile einbringt, aber auch gutes Geld kostet. Er ist überhaupt kein Muss und jeder Unternehmer aus der Immobilienbranche sollte sich genau überlegen und abwägen, ob eine Mitgliedschaft für Ihn speziell Sinn macht. Dass nur ein Immobilienmakler mit dem IVD-Logo ein guter Makler ist, ist im übrigen absoluter Unsinn. Und dass alle Immobilienmakler mit IVD-Logo weisse Schafe sind, ist auch schwierig zu belegen, denn was einen guten Makler ausmacht - dazu kommen wir noch genauer - ist weitaus mehr als eine Mitgliedschaft.

Wie ist es jetzt also um die Theorie bestellt, dass der IVD einen Schutz für den Verbraucher vor schwarzen Schafen der Branche bietet. Nun, es kann in jeder Branche, in jedem Verein und jedem Verband schwarze Schafe geben. Wer glaubt ein Logo würde ihn hiervor wirklich schützen, wägt sich in trügerischer Sicherheit!

Rote Karte

Überhaupt ist diese Win-Win-Lösung, die der IVD nicht müde wird in Szene zu setzen, für Sie als Verbraucher doch nur insofern von Interesse, als Sie versucht sind, ihrer persönlichen Menschenkenntnis und ihrer Vernunft bei der Wahl eines für Sie optimal geeigneten Maklers zu trotzen oder gar auf den Tipp eines Bekannten oder guten Freundes zu verzichten.

Nein, die überaus große Masse an Immobilienmaklern sind etablierte, hochanständige und hochkompetente Fachleute, die entweder Quereinsteiger sind und lange Jahre erfolgreich arbeiten oder ihren Weg über eine Ausbildung gefunden haben. Glauben Sie mir, wer nicht erfolgreich arbeitet und damit meine ich auf Kundenzufriedenheit setzt, hält sich nicht in dieser Branche. Und bitte lassen Sie sich nicht von Vorurteilen gegenüber einem Makler abschrecken, der Beruf ist sehr ehrenwert und bietet Eigentümern enorme Arbeitserleichterungen und gute Absicherung gegenüber Stolperfallen. Und geben Sie bitte auch nicht allzuviel auf das Bild, was einige TV-Formate abbilden, denn diese sind praxisfern, da es um Quote und Unterhaltung geht. Sollten Sie aber tatsächlich einmal an einen "Ich schwatze Ihnen dieses Produkt schon auf"-Typen geraten, dann sollten Sie bereits am Telefon mit einem höflichen "Nein, aber nein danke!" die rote Karte zücken und das Gespräch beenden. So wie man es auch beim MediaMarkt tuen würde, wenn man sich nicht gut beraten fühlt.

Im Grunde ist die Wahl eines geeigneten Immobilienmaklers ganz einfach. Oder zumindest nicht schwerer, als die Wahl eines geeigneten Steuerberaters oder Zahnarztes. Oder würden Sie bei der Wahl Ihres Zahnarztes auf ein Logo vertrauen?

 Nein, Sie würden auf folgendes achten:

  • Was genau möchte ich eigentlich für eine Leistung bekommen?
  • Wird diese Leistung angeboten? Ist das preislich für mich akzeptabel?
  • Kenne ich jemanden, der gute Erfahrungen gemacht hat?
  • Gibt es eine Webseite? Ist die Webseite ordentlich und glaubwürdig gestaltet?
  • Gibt es glaubwürdige Referenzen? Oder unabhängige im Internet? (Qype, Google Places, etc.)
  • Wie funktioniert die erste Kontaktaufnahme? Ist der Kontakt freundlich? Muss ich warten?
  • Stimmt beim Kennenlern-Meeting die Chemie? Baut sich ein beidseitiges Vertrauen auf?
  • Wie ausführlich ist die Beratung? Wie wird auf Nachfragen reagiert? Weiterhin freundlich?
  • Und: Welche vertraglichen Leistungen werden mir angeboten? Werden alle Vertragspunkte genau erklärt?
  • Verlängert sich der Vertrag automatisch? Möchte ich das? Welche maximale Mindestlaufzeit möchte ich?
  • Was geschieht nach Vertragsunterzeichnung? Bleibt mein Ansprechpartner für mich erreichbar?

Und scheuen Sie auch nicht davor zurück, dezidiert (aber bitte immer freundlich) im Falle einer Immobilienvermittlung zu fragen, wann die Immobilie vermittelt sein wird. Ein ehrlicher Geschäftspartner wird Ihnen hierauf keine Antwort geben können. Er kann Ihnen maximal nur einen Fingerzeig geben. Hüten Sie sich also vor Versprechungen wie "Wir verkaufen Ihre Immobilie garantiert in 2 Wochen". Das ist Unsinn. Jeder anständige Makler erläutert seine Vermarktungsmaßnahmen und räumt die Zeit ein, die das Schreiben guter Texte, professionell bearbeiteter Fotos und Exposes (ggf. Anfertigung Energieausweis und und und) benötigt. Ein guter Makler wird seinen eigenen Anspruch auf Qualität nicht verändern, sondern diesem alles unterordnen. Achten Sie darauf!

Fazit:

Beherzigen Sie obige Punkte bei der Wahl Ihrer Dienstleister (ob Makler oder Steuerberater...), stellen Sie Ihre Dienstleister auf den Prüfstand, seien Sie nicht unverschämt oder unhöflich aber in der Sache beharrlich - dann sind Sie auf einem guten Weg, ihre Ziele wie gewünscht zu erreichen. Und noch eines: Wenn Ihr Bauchgefühl Alarm schlägt, dann hören sie ruhig darauf! Es gibt glücklicherweise viele Optionen...

 

Kommentare (3)
  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ihr Beitrag ist sehr gelungen, Gratulation. Es ist m.E. wichtig, Verbrauchern die Bedeutung eigenständigen Denkens und Handelns bei der Wahl von Dienstleistern bewusst zu machen – das ist Ihnen gut gelungen. Ein Logo hilft hier in der Tat nicht weiter, auch wenn man dies gerne glauben machen möchte. Mir gefällt zudem die Frageliste, die Sie aufgestellt haben. Ein guter Leitfaden, an dem sich Verbraucher orientieren können.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Sie sprechen mir aus der Seele. Auch wir haben uns gegen eine Mitgliedschaft beim IVD entschieden. Die Ziele und die Arbeit einiger weniger beim IVD sind sicherlich als ehrenwert zu bewerten. Wer genauer hinsieht und einmal durchleuchtet wer sich denn da alles mit dem Verbandszeichen schmückt wird wohl eher enttäuscht sein. Ich selbst kenne zwei große Unternehmen mit fragwürdigen Methoden die Ihre Mitgliedschaft groß herausstellen. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages ist zudem absolut nicht nachvollziehbar. Als selbstständiger Unternehmer ist es für mich völlig unverständlich wie man sich in eine Abhängigkeit begibt in der eine Altherrenriege die sich als das Mass aller Dinge sieht festlegt was seriös ist und was nicht. Der eigentliche Sinn eine starke Lobby aufzubauen wurde und wird von diesem Verband völlig verfehlt.


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